Wohnungslosigkeit (c) Barbara Bechtloff

Wohnunglosigkeit

"Jeder Mensch braucht ein Zuhause" - die gleichnamige Kampagne der Caritas machte 2018 auf die zunehmende Wohnungsnot in Deutschland aufmerksam. Vor allem in den großen Städten ist die Situation dramatisch, dort fehlt es an bezahlbaren Wohnungen etwa für Familien. Nicht nur Menschen mit niedrigem Einkommen müssen einen überproportionalen Anteil ihrer Einkünfte für das Wohnen ausgeben. Dass sich viele eine Wohnung nicht mehr leisten können, zeigt die Statistik. Nach Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) waren 2016 in Deutschland 860.000 Menschen ohne eigenen, mietvertraglich abgesicherten Wohnraum.

Knapp die Hälfte waren Geflüchtete ohne eigene Wohnung. Rund 52.000 Menschen lebten nach Schätzung der BAG W ohne jede Unterkunft auf der Straße. 

Die Caritas im Erzbistum Köln macht an vielen Orten Angebote für Menschen, die es schwer haben, eine angemessene Wohnung zu finden. Darüber hinaus sind Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas als „Streetworker" unterwegs, helfen Obdach- und Wohnungslosen bei der Suche nach Notschlafstellen und vermitteln Kontakte zu Ämtern. 

„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“

In Deutschland fehlen eine Million Wohnungen. Nicht nur Menschen in prekären Lebenslagen sind betroffen, sondern auch die Mitte der Gesellschaft. Wohnungen werden luxussaniert, Mieten steigen explosionsartig, Menschen müssen ihr Zuhause verlassen und finden keine bezahlbare Bleibe. Welche Folgen das hat – darauf machte die Caritas mit ihrer Jahreskampagne 2018 „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ aufmerksam.

Die hohen Mieten sind ein armutstreibender Faktor. Denn sie führen zu einem Verlust an Kaufkraft und zu erhöhtem Verschuldungsrisiko. Ärmere Menschen werden verdrängt, sie sind gezwungen, an die Ränder der Städte zu ziehen, in billigere Quartiere. Damit werden sie aus Stadtteilen vertrieben, in denen sie ihr ganzes bisheriges Leben zugebracht haben.

Die Caritas weist immer wieder darauf hin, dass Wohnen ein Menschenrecht ist – und eine der Voraussetzungen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, für nachbarschaftliches Zusammenleben ganz konkret an einem Ort, am Lebensmittelpunkt. Zu weiteren Inhalten und Aktionen der Kampagne im Erzbistum Köln.

Zahlreiche Arbeits- und Beschäftigungshilfeangebote der Caritas- und Fachverbände ermöglichen es ehemals wohnungslosen Menschen, sich wieder in das Arbeitsleben einzufinden. Das Angebot der Wohnungslosenhilfe im Erzbistum Köln wird weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Dies ist nicht nur eine gesetzliche Pflichtaufgabe, sondern ein Beitrag der Kommunen und des Landschaftsverbandes Rheinland zum Gemeinwohl und zur dauerhaften Integration dieser Menschen in unseren Gemeinden.

DE FLO

Die Einrichtung DE FLO des Sozialdientes Katholischer Männer (SKM) in Köln ist Teil der Wohnungslosenhilfe in Köln. Viele der Mitarbeitenden, die durch das Jobcenter zugewiesen werden, haben aufgrund besonderer sozialer Schwierigkeiten seit vielen Jahren keinen Zugang zum ersten Arbeitsmarkt und entsprechend keinen Anschluss an die Gesellschaft. Vielfach steht dies in einem direkten Zusammenhang mit einem erhöhten Alkohol- oder Drogenkonsum, aber auch anderen psychischen und geistigen Benachteiligungen. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Casa Blanca

Casa blanca ist ein Beschäftigungsprojekt des Sozialdienstes katholischer Frauen e. V. (SKF) Köln für Frauen, die von Arbeitslosengeld II leben und aufgrund ihrer langen Arbeitslosigkeit oder anderer Vermittlungshemmnisse Probleme beim Wiedereinstieg in den Beruf haben. Neben der psychosozialen Betreuung bieten Wäscherei und Näherei vielfältige Beschäftigungen. Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Franz Freunde

Die Franz Freunde der Ordensgemeinschaft der Armen-Brüder des heiligen Franziskus, Sozialwerke e. V., haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen in verschiedensten Notlagen zu helfen. Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen erfahren hier Unterstützung bei der Entwicklung neuer Lebensperspektiven – und bei ihrem Weg zurück in ein gesichertes, selbstbestimmtes Leben. Die Verbindung von christlicher Nächstenliebe und professionellem Anspruch wird deutlich in unserem Franziskanischen Prinzip. Mehr Informationen finden Sie hier.

Im Arbeitskreis Wohnungslosenhilfe, der seit 1977 besteht, sind alle Einrichtungen der ambulanten, teilstationären und stationären Wohnungslosenhilfe der Caritas- und Fachverbände sowie der Ordensgemeinschaften im Erzbistum Köln vertreten. Sie arbeiten dort eng zusammen und bilden einen bistumsweiten Hilfeverbund.

Auf Bundesebene setzt sich die Katholische Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe im Deutschen Caritasverband für die Belange wohnungsloser Menschen ein und unterstützt deren eigenständige Interessenvertretung.

Wohnen ist Menschenrecht

Was muss sich ändern, damit sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt entspannt? Damit Menschen passenden Wohnraum finden? Wie bleibt Vielfalt im Quartier erhalten? Und was muss geschehen, dass sich die Wohnungslage insbesondere für Alleinerziehende, Senioren und Menschen in prekären Lebenssituationen verbessert?

Antworten darauf hat der Diözesan-Caritasverband in der Broschüre „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ zusammengefasst. Neben konkreten Forderungen an die Politik sind auch Zahlen und Fakten zum kirchlichen Immobilienbesitz und zum Wohnungsmarkt in NRW nachzulesen – etwa, dass der Bestand an Sozialwohnungen in NRW seit der Jahrtausendwende um knapp 50 Prozent zurückgegangen ist.

Ihr Ansprechpartner

Andreas Sellner

Andreas Sellner

Abteilungsleiter Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe, Sinti- und Romaprojekte