Offene Ganztagsschulen (OGS)

Offene Ganztagsschulen (OGS)

Die Offenen Ganztagsschulen (OGS) haben sich seit Beginn ihres Aufbaus im Jahr 2003 zu einem wichtigen Bildungs-, Betreuungs- und Erziehungsangebot für Grundschülerinnen und -schüler in ganz Nordrhein-Westfalen entwickelt. Sie gestalten ganztägiges Lernen entlang der Interessen und Bedürfnisse der Kinder und tragen dazu bei, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen.

Rund 80 Prozent der Träger von Offenen Ganztagsangeboten sind der Freien Wohlfahrtspflege angeschlossen: zur Freien Wohlfahrtspflege in Nordrhein-Westfalen gehören über 2.000 Offene Ganztagsschulen, in denen rund 200.000 Kinder betreut werden.

Im Erzbistum Köln gibt es derzeit rund 120 katholische Offene Ganztagsschulen in caritativer Trägerschaft. Hier werden über 12.000 Kinder begleitet, gefördert und betreut.

Die Offene Ganztagsschule ist ein Angebot, das formales, non-formales und informelles Lernen zusammenbringt.

Das bedeutet, dass in der Offenen Ganztagsschule klassische Unterrichtsformate und Lernzeiten selbstverständlich verknüpft werden mit Projekt- und AG-Gruppen, die hauptsächlich im Nachmittagsbereich stattfinden. Das, was am Vormittag gelernt wird, hat Relevanz für den Nachmittag und umgekehrt.

Die Kinder lernen und bilden sich den gesamten Tag über – und das teilweise auch wie „nebenbei“, im Spiel, in Gesprächen, beim Essen, in der sozialen Interaktion. All dies wahrzunehmen, zu fördern und zu begleiten ist die Aufgabe der Offenen Ganztagsschule.

Sie hat damit einen besonderen Stellenwert für die Systeme Jugendhilfe und Schule und vor allem für die Kinder!

Was bietet die Offene Ganztagsschule? 

  • einen strukturierten, rhythmisierten Tagesablauf mit Mittagessen
  • Förderkonzepte und -angebote bei besonderem Förderbedarf
  • Förderung der Interessen und Begabungen der Kinder
  • sozialpädagogische Angebote (z.B. interkulturelle, geschlechtsspezifische, ökologische, partizipative, freizeitorientierte und offene Angebote)
  • Möglichkeiten zur Vertiefung und Erprobung des Gelernten sowie zur Entwicklung der Fähigkeit zum selbstständigen Lernen und Gestalten
  • Möglichkeiten und Freiräume für soziales Lernen, für Selbstbildungsprozesse und für selbstbestimmte Aktivitäten
  • angemessenes Gleichgewicht von Anspannung und Entspannung
  • Angebote zur gesunden Lebensgestaltung
  • vielfältige Bewegungsanreize und -angebote
  • Einbindung der Eltern und Kinder an Konzeption und Durchführung der Angebote 
  • Unterstütungsangebote für Eltern

Im Jahre 2003 wurden die damaligen Horte für die Betreuung von Kindern im Grundschulalter abgelöst von der Offenen Ganztagsschule (OGS). Besonders für dieses NRW-spezifische Modell ist die angelegte Kooperation von Jugendhilfe und Schule im Bereich des Ganztags: In der Regel setzen anerkannte Träger der Freien Jugendhilfe das Angebot zur Betreuung, Erziehung und Förderung der Kinder im Primarschulalter in Kooperation mit der Schule und zahlreichen weiteren Netzwerkpartnern in den Räumlichkeiten der Schule um.

In der OGS fließen Angebote der Spiel- und Freizeitpädagogik, Musik, Kunst- und Bewegungsangebote, Soziales und Interkulturelles Lernen, Lernen an außerschulischen Lernorten usw. zusammen. Die OGS ist der Ort, an dem sich die Kinder den gesamten Tag aufhalten – Ziel ist es, diesen Tag kindgerecht zu gestalten und die Kinder an dieser Gestaltung partizipativ zu beteiligen.

Grundlage des Angebots sind mehrere Erlasse, die auf Landesebene die Umsetzung, die Fachlichkeit und die Finanzierung der OGS regeln. Eine umfassende gesetzliche Regelung der Offenen Ganztagsschule steht bis heute aus – auch hierfür streitet die Caritas als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege gemeinsam mit den Partnern in der LAG Freie Wohlfahrtspflege auf Landesebene.

Durch die Aktivität an den Offenen Ganztagsschulen in NRW bereichert die Kinder- und Jugendhilfe mit ihren fachlichen Standards  das System Schule. Schwerpunkte des Sozialen Lernens, des interkulturellen Lernens, des Lernens mit Kopf, Herz und Hand, Grundsätze wie Partizipation und Kommunikation in Beziehung zwischen Kind und der jeweiligen Betreuungsperson erweitern damit den Fokus der Offenen Ganztagsschule: vom Blick auf den reinen Lernerfolg in Bezug auf Wissensvermittlung im Unterricht hin zu der gesamten Persönlichkeitsentwicklung des Kindes.

Damit bietet die Offene Ganztagsschule eine einzigartige Chance für den Bildungserfolg und die Entwicklung der Kinder. Diese Kinder sind uns wichtig! Die Caritas setzt sich dabei kontinuerlich dafür ein, dass die Rahmenbedinungen für die OGS auf Landesebene verbessert werden.

OGS_Plakat

Die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Freie Wohlfahrtspflege hat im Jahr 2017 unter dem Motto „Gute OGS darf keine Glückssache sein!“ eine Kampagne gestartet, um auf die Verbesserungsnotwendigkeiten im Bereich OGS landesweit hinzuweisen. 2500 Menschen zogen im Juli 2017 vor den Landtag und stellten ihre Forderungen dar.

  1. Bildungschancen verbessern: Wir fordern die verbindliche Festlegung von Standards!
  2. Finanzierung sichern: Wir fordern höhere Etats und eine einheitliche Förderung in NRW!
  3. Zukunft gestalten: Wir fordern eine verlässliche gesetzliche Regelung!
  4. Platz für alle Kinder schaffen: Wir fordern zusätzliche Ausbauprogramme!

Schulministerin Yvonne Gebauer und Familienminister Dr. Joachim Stamp sagten Verbesserungen für den Offenen Ganztag zu.

Wegen nur kleinerer Nachbesserungen entschied sich die LAG Freie Wohlfahrtspflege in NRW dafür, an die Kampagne anzuknüpfen. Unter dem Motto „Wir bleiben dran! Wir fordern ein Rettungspaket für den Offenen Ganztag“ ging diese mit einer Unterschriftenaktion und einer Online-Petition in die zweite Runde. Im Dezember 2018 wurde das beeindruckende Ergebnis an die Minister überreicht: Die Aktion startete nach den Sommerferien und lief bis Ende November. 55.800 Unterschriften kamen in den wenigen Wochen zusammen. Mehr als 20.000 Menschen zeichneten die Online-Petition, tausende Unterschriften auf Listen und Postkarten gingen an das Ministerium für Schule und Bildung.

Die Landesregierung hat angekündigt, die Kooperation mit den Trägern der Freien Wohlfahrtspflege zu intensivieren und sich für weitere Verbesserungen gemeinsam mit den Trägern einzusetzen. Die Freie Wohlfahrtspflege begrüßt dieses Anliegen! Dieses wird nun eingelöst werden müssen – dafür wird die LAG Freie Wohlfahrtspflege sich weiterhin einsetzen. Mit rund 80 Prozent stellen Träger mit Anschluss an die freie Wohlfahrtspflege den weitaus größten Anteil an Organisationen und Institutionen, die sich für die Umsetzung und Gestaltung der außerunterrichtlichen Angebote in der Offenen Ganztagschule in NRW verantwortlich zeichnen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege des Landes Nordrhein-Westfalen (LAG FW NRW) und damit auch der Kölner Diözesan-Caritasverband positionieren sich vor diesem Hintergrund mit diesen Standpunkten zur aktuellen Situation der OGS.

Dr. Frank Johannes Hensel

Diözesan-Caritasdirektor Dr. Frank Johannes Hensel bezieht deutlich Stellung für die OGS:

„Es gibt nur eines, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“ Diese Worte des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy bringen es auf den Punkt. Unter fehlender Bildung leidet nicht nur der Mensch selbst. Auch eine Gesellschaft trägt schwer an den Konsequenzen und Folgekosten unzureichender Bildung.

Immer wichtiger in der Bildungskette junger Menschen ist die im Jahr 2003 eingeführte Offene Ganztagsschule. Sie ist weder als reine Übermittagsbetreuung gedacht, noch als Fortsetzung des Unterrichts am Nachmittag. Für uns als Caritas ist sie ein ganzheitliches Begleiten junger Menschen in einer Lebensphase, in der sie besonders intensiv nach Orientierung suchen. 

Allein im Erzbistum Köln legen mehr als 200 Offene Ganztagsschulen in kirchlicher Trägerschaft ein deutliches Zeugnis dieses Engagements ab. Durch den voranschreitenden Ausbau der Ganztagsangebote verbringen Kinder mittlerweile einen Großteil ihres Tages in der Schule. Schule entwickelt sich zunehmend zur zentralen, die Kinder prägenden Lernwelt.

Hier machen sie abseits ihrer Rolle als Schülerinnen und Schüler Selbst- und Gemeinschaftserfahrungen, die sie für das Miteinander in der Gesellschaft stärken. Der Offene Ganztag dient nicht nur der reinen Betreuung. Er ist ein Ort des Lebens und des Lernens, somit ein Ort der ganzheitlichen Bildung. Dafür braucht es eine pädagogische Kultur, die die Kinder in ihren Lebensfragen nicht allein lässt – und die gibt es nicht zu Dumping-Preisen.

Die Qualität der Ganztagsschulen hängt aktuell maßgeblich von den freiwilligen Leistungen der einzelnen Städte und Kommunen ab. Große regionale Ungleichheiten mit Blick auf die Finanzierung, Standards und Strukturen sind die Folge. Das lässt sich auch durch die pauschale Erhöhung der kommunalen Pflichtanteile nicht ausgleichen. Das Land NRW ist gefordert, eine angemessene Finanzierungsgrundlage für Ganztagsschulen zu gewährleisten – unabhängig vom Finanzstatus der Kommunen und Städte. Nur so ist auch die Qualität landesweit vergleichbar, sodass alle Kinder eine ähnliche Förderung erhalten.

Eine ausreichende Grundfinanzierung ist jedoch nur die Basis. Für eine gute Offene Ganztagsschule ist es wichtig, dass die Ausstattung sach- und kindgemäß ist und dass die Räumlichkeiten an die Bedürfnisse der Offenen Ganztagsschule angepasst sind. Es bedarf dringend eines verbindlichen Raumkonzeptes, das alle in der Schule zur Verfügung stehenden Räume einbezieht und die Barrierefreiheit im Blick hat.

Aktuell baut die OGS kräftig am deutschen Armutszeugnis mit, wonach der Bildungserfolg der Kinder an ihre soziale Herkunft gekoppelt ist. Die Abschaffung der Elternbeiträge sollte also kein Tabu mehr sein; denn die Beiträge erweisen sich für immer mehr Kinder als Hürde auf dem Weg zur Chancengleichheit.

Nur wer angemessen zahlt – beispielsweise innerhalb der kirchlichen Tarifstruktur – bekommt auch qualifiziertes pädagogisches Personal. In der Offenen Ganztagsschule sollten multiprofessionelle Teams von Schule und Jugendhilfe auf Augenhöhe zusammenarbeiten; mit Lehrkräften und ausgebildeten pädagogischen Fachkräften.

Ihre Ansprechpartnerin

Kira Funke

Dr. Kira Funke

Referentin für Inklusion und Bildung

Georgstraße 7
50676 Köln