„Wir lassen das Potential vieler Geflüchteter zu oft links liegen“

19.06.19 10:00
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Pia Klinkhammer

Viele der 60.000 beschäftigten Geflüchteten arbeiten im Niedriglohnbereich. Caritas fordert mehr Qualifizierungsangebote

Geflüchtete im Niedriglohnbereich (c) Barbara Bechtloff

Köln. Immer mehr Geflüchtete schaffen es, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das geht aus dem aktuellen Arbeitslosenreport der Freien Wohlfahrtspflege in NRW hervor. Diese positive Entwicklung hat jedoch auch eine Schattenseite, denn ein Großteil von ihnen arbeitet in schlecht entlohnten Helferjobs mit wenig Perspektiven. „Fachliches Wissen und Können sind der Schlüssel zu dauerhaft auskömmlicher Beschäftigung. Es braucht dringend mehr arbeitsmarktpolitische Unterstützung für die berufliche Weiterqualifizierung“, so Dr. Frank Johannes Hensel, Diözesan-Caritasdirektor für das Erzbistum Köln.

In NRW hat sich die Zahl der Geflüchteten, die sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, von März 2015 bis September 2018 auf 60.000 mehr als vervierfacht. Noch stärker angestiegen ist die Zahl der Auszubildenden; sie lag im September 2018 bei 8.500. Zwei Drittel der Beschäftigten (67 Prozent) arbeitet jedoch im Niedriglohnbereich (u.a. Helferjobs, Leiharbeit), ihr monatliches Bruttoeinkommen liegt unter 2.139 Euro. „Diese Menschen brauchen eine Chance, sich weiter zu qualifizieren“, sagt Hensel, der auch Leiter der Flüchtlingshilfe Aktion Neue Nachbarn im Erzbistum Köln ( www.aktion-neue-nachbarn.de ) ist.

Der Weg in einen qualifizierten Job oder eine Ausbildung ist für viele Geflüchtete noch immer lang und beschwerlich – auch deshalb, weil die rechtlichen Regelungen zur Arbeits- und Ausbildungsförderung für diesen Personenkreis schwierig sind. Zu viele Gruppen Geflüchteter werden dadurch von wichtigen Förderangeboten ausgeschlossen. Hier müsse man ansetzen, so Hensel: „Wer eine Arbeitserlaubnis erhält, muss auch direkt einen Zugang zu berufsfördernder Unterstützung bekommen. Wir lassen das Potential vieler Geflüchteter zu oft links liegen. Durch frühzeitige, gezielte Sprachförderung, Unterstützung bei der beruflichen Qualifizierung und eine vereinfachte Anerkennung von ausländischen Bildungs- und Berufsabschlüssen könnten viele Fachkräfte gewonnen werden, die so dringend benötigt werden.“

Gezieltere Hilfen könnten auch dazu beitragen, dass weniger Geflüchtete im Hartz-IV-Bezug landen. So ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger aus den zuzugsstärksten Asylherkunftsländern – u.a. Afghanistan, Irak und Syrien – von gut 45.000 im März 2015 auf 179.000 im Juni 2018 gestiegen. Inzwischen ist sie wieder leicht rückläufig. Dennoch: „Es gilt zu verhindern, dass aus ihnen die Langzeitarbeitslosen der Zukunft werden“, mahnt Hensel. 

Weitere Infos: www.arbeitslosenreport-nrw.de 

Zum Artikel "Flüchtlinge als Fachkraft statt Hilfsarbeiter"