„Ein kleiner Schritt in Richtung Normalität!“

04.06.20 09:58
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Pia Klinkhammer
Julia Gottschalk besucht ihre 93-jährige Mutter Helene Lüdenbach (c) Jo Schwartz / DiCV

Im Malteserstift Marialinden gelingt der Weg aus der totalen Isolation gut, individuelle Lösungen sind dabei sehr wichtig 

Von Pia Klinkhammer (Text) und Jo Schwartz (Fotos)

Seit dem 10. Mai ist das generelle Besuchsverbot in Altenheimen aufgehoben. So konnten passenderweise zum Muttertag Angehörige nach langen Wochen endlich wieder ihre Lieben sehen, wenn auch nur unter strengen Hygienevorschriften. 

Im Malteserstift Marialinden in Overath hat man sich auf diesen Tag gut vorbereitet und seitdem alle Besuchswünsche ermöglichen können, versichert Hausleiterin Schwester Susanne Schrammel. „Es ist alles gut machbar, aber personalintensiv.“ 

In Marialinden hat man als Besuchsraum die große Bibliothek gewählt. Sie liegt strategisch gut im Erdgeschoss direkt hinter dem Haupteingang. Zwischen zwei Tischen steht eine Plexiglasscheibe, zwei Meter Sicherheitsabstand sind garantiert. Der Bewohner oder die Bewohnerin sitzen schon am Tisch, bevor dann für 20 Minuten - so lange ist ein Besuchszeitfenster - die Angehörigen dazu dürfen.

Die werden natürlich erstmal am Empfang namentlich erfasst, werden nach Symptomen und Kontakten zu Covid-19 Infizierten gefragt, müssen Hände desinfizieren und Mundschutz tragen. Nach einem Besuch wird der Raum desinfiziert, die Tische gereinigt. „Das dauert natürlich immer eine gewisse Zeit, aber wir haben das bislang gut hinbekommen“, zeigt sich Schwester Susanne Schrammel zufrieden. 

Die Mitarbeitenden der sozialen Betreuung haben diese aufwändige Aufgabe übernommen, unterstützt werden sie ab nächster Woche stundenweise von einer neuen Kollegin. Die Besuchszeiten sind morgens von 9 bis 11.30 und nachmittags von 14 bis 17.30 Uhr.

„Wir kommen mit der Nachfrage gut klar“, sagt Schwester Susanne Schrammel. Manchmal sei sogar etwas Leerlauf und man könne den Besuch in einzelnen Fällen auch länger erlauben. Ab Mitte Juni, hofft Schwester Susanne, könne man einige Besuche vielleicht nach draußen verlegen und bei dem geringeren Infektionsrisiko vielleicht noch ein paar Abläufe vereinfachen. 

Begleitete Spaziergänge im Außengelände der Einrichtung durften die Bewohnerinnen und Bewohner, soweit sie mobil waren, seit Anfang der Coronakrise schon unternehmen. Jetzt können die Bewohnerinnen und Bewohner das Gelände, das idyllisch im Bergischen Land liegt, in Ausnahmefällen kurz verlassen – in Begleitung eines Mitarbeitenden, wenn nötig, und natürlich immer mit Mundschutz und Abstand. 

Individuelle Lösungen bleiben wichtig

Bei Besuchen im Supermarkt ist man derzeit noch zurückhaltend, hier besorgen die Mitarbeitenden der sozialen Betreuung aber die gewünschten Produkte. Eine ältere Dame, erzählt Schwester Susanne, wollte neulich unbedingt einmal zum Friedhof gehen und schauen, ob das Grab ihres Mannes wirklich ordentlich gepflegt ist. „Das ist eine noch sehr fitte Frau und ich habe dann gesagt, sie soll morgens ganz früh gehen. Das hat gut geklappt und sie war danach sehr glücklich.“ 

Individuelle Lösungen blieben wichtig, sagt die Hausleiterin, denn manchmal sei die Situation sonst nur schwer zu ertragen. Die Stimmung im Haus habe sich nach den Lockerungen deutlich aufgehellt, alle spürten den kleinen Schritt in Richtung Normalität, so Schwester Susanne.

Die Einrichtungsleiterin hofft daher sehr, dass das Infektionsgeschehen in der Gesellschaft weiterhin niedrig bleibt und auch im Malteserstift Marialinden keine Covid-19 Infektionen auftreten. Sie setzt dabei großes Vertrauen in das Hygienekonzept der Einrichtung, das bisher so gut funktioniert hat.

„Natürlich würden wir gern Ausflüge machen und ein Sommerfest planen. Aber das geht aktuell nicht“, sagt Schwester Susanne. Trotzdem wolle man nicht allzu ängstlich sein, sondern das Beste aus der Situation machen. Das hieße auch: Von Tag zu Tag gebe es mehr Routine im Umgang mit der Pandemie – und damit auch immer weitere Lockerungen für die Seniorinnen und Senioren. Abstandsregelung und Mundschutz ist das A und O in dieser Zeit. Wenn alle Menschen sich daran halten, wären weitaus mehr Lockerungen möglich.  

Lichtblicke gibt es immer wieder: Rückkehrende aus dem Krankenhaus und Neuaufnahmen können jetzt nach negativem Test direkt in ihr Zimmer, wo sie nur noch eine Woche in Quarantäne bleiben müssen. 

Ein Test nahezu aller Mitarbeitenden der Einrichtung hat vor einigen Tagen nur negative Ergebnisse gezeigt – erstmal aufatmen! 

 

Schwester Susanne Schrammel im Gespräch mit einem Bewohner des Malteserstifts (c) Jo Schwartz / DiCV