„Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Unterkunft unter Quarantäne steht“

05.06.20, 10:00
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Flüchtlingsheime als Corona-Hotspots: Kölner Diözesan- Caritasverband fordert dezentrale Unterbringung (c) www.depositphotos.com

Köln. Kleine Zimmer, viele Betten im Schlafraum, Enge in Gemeinschaftsräumen: Die Gefahr einer Corona-Infektion ist in Flüchtlingsheimen besonders hoch. „Ist das Virus einmal in der Einrichtung, hat es wegen der hohen Personendichte besonders leichtes Spiel. Geflüchtete sind dann weitgehend schutzlos ausgeliefert“, warnt Dr. Frank Johannes Hensel, Kölner Diözesan-Caritasdirektor.


Damit Corona-Hotspots in Flüchtlingseinrichtungen vermieden werden können, muss gehandelt werden: „Viele Unterkünfte offenbaren viele Infektionsmöglichkeiten und wenig tragfähige Hygienekonzepte“, sagt Hensel.

In den Einrichtungen seien hunderte Menschen in großen Mehrbettzimmern und ohne separate Küchen oder Sanitärbereiche unterge-bracht – darunter auch besonders gefährdete Personengruppen wie ältere Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen. „Die Ge-flüchteten haben praktisch kaum Chancen, auf Distanz gehen zu können“, so Hensel. Im Falle einer Infektion könne eine schnelle und strenge Isolation der Infizierten nicht gewährleistet werden.

Ein weiteres Problem: Die Erstaufnahmeeinrichtungen entwickeln sich aufgrund der langen Verweildauern zu zentralen Landesunter-bringungen, wo die Menschen sechs Monate und länger leben müssen. „Das sind gefährliche Zustände. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Unterkunft unter Quarantäne steht“, so Hensel.

Geflüchtete müssen deshalb dringend frühzeitig – nicht erst nach Virusausbruch – in die Obhut von kommunalen Einrichtungen. „Dort kann die Gesundheit oft besser geschützt werden und die Menschen finden hier den wichtigen Anschluss an Schule, Ausbildung und Arbeit“, sagt Hensel.


Der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. ist der Dachverband der katholischen Wohlfahrtspflege im Erzbistum Köln. Ihm sind 280 Mitglieder als Träger von rund 1.850 Diensten und Einrichtungen im Rheinland und angrenzenden Kreisen angeschlossen. Das Spektrum reicht von Krankenhäusern über Altenheime bis zu Kindergärten und Beratungsstellen, wie etwa Schwangerschafts- oder Schuldnerberatung. Der Diözesan-Caritasverband berät seine Einrichtungen und Dienste in fachlichen sowie wirtschaftlichen Fragen und vertritt sie in Kirche, Gesellschaft und Politik.