Monatlich werden in Deutschland hunderttausende Konten gepfändet. Für viele Betroffene ist das sogenannte Pfändungsschutzkonto (P-Konto) die letzte Absicherung, um Miete, Strom und Lebensmittel bezahlen zu können. Doch in der Praxis scheitert dieser gesetzlich verankerte Schutz oft – an mangelnder Kooperation von Banken, unklaren Zuständigkeiten und an rechtlichen Lücken.
Der Caritasverband für das Erzbistum Köln fordert deshalb bessere gesetzliche Regelungen für P-Konten sowie einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung: „Unsere Teams in unseren Beratungsstellen erleben täglich, dass Banken trotz klarer gesetzlicher Vorgaben extreme Hürden aufbauen. Konten werden gesperrt, Freibeträge nicht rechtzeitig berücksichtigt und Menschen in existenziellen Notlagen erhalten keinen schnellen Zugang zu ihrem Geld“, sagt Ilias Uyar vom Caritasverband für das Erzbistum Köln.
Besonders problematisch sei, dass Betroffene ihren gesetzlichen Pfändungsschutz oft erst in langwierigen Verfahren durchsetzen können. „Wenn Pfändungsschutz erst durch verschiedene Instanzen durchgesetzt werden muss, vergehen nicht selten Wochen oder Monate. In dieser Zeit fehlt vielen Menschen das Geld für Miete, Lebensmittel und andere lebensnotwendige Ausgaben“, so Uyar weiter.
Um das Existenzminimum zu sichern, werden deshalb die Schuldnerberatungsstellen der Caritas dringend gebraucht. „Aber unsere Kapazitätsgrenzen sind erreicht. Schließlich wächst die Nachfrage nach Unterstützung seit Jahren.“ Deshalb fordert der Caritasverband für das Erzbistum Köln einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung sowie eine bedarfsgerechte Finanzierung der Beratungsangebote.
„Schuldnerberatung ist ein unverzichtbarer Bestandteil der sozialen Infrastruktur. Wer in finanzielle Not gerät, muss Anspruch auf professionelle Unterstützung haben. Ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf Beratung würde sicherstellen, dass niemand durch das Raster fällt“, betont Uyar.
„Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P‑Konto zum Problemkonto wird“ lautet das Motto der bundesweiten Aktionswoche Schuldnerberatung vom 15. bis 19. Juni 2026, um auf anhaltende Missstände beim Pfändungsschutzkonto aufmerksam zu machen.
Kontakt zum Caritas-Experten:
Ilias Uyar
Jurist und Fachreferent für Schuldner- und Insolvenzberatung
Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V.
Telefon +49 221 2010 115
ilias.uyar@caritasnet.de
Informationen zur Aktionswoche
www.aktionswoche-schuldnerberatung.de