„Ich wünsche mir, dass noch mehr Männer die tradierten Rollenbilder über Bord schmeißen“

20.05.20 14:00
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Väterberatung: Angebot der esperanza-Schwangerschaftsberatung bietet praktische und psychosoziale Hilfestellungen (c) Maggy Melzer

Erzbistum Köln. An zwölf esperanza-Standorten ermutigen und unterstützen insgesamt zehn Väterberater auch Männer bei ihrer Elternschaft. Rund 600 (werdende) Väter mit eigenen Anliegen nutzen pro Jahr das Angebot der Beratung – Tendenz steigend. Im INTERVIEW berichtet Väterberater Marcel Maus vom Caritasverband Bonn über seine Erfahrungen.

Morgen ist Vatertag – gibt es eigentlich etwas zu feiern für die Väter?
Marcel Maus: Ja, es gibt etwas zu feiern – vor allem die Tatsache, dass an einem solchen Tag immer mehr Männer sich ihrer Vater-rolle bewusst werden und viel Zeit mit ihren Kindern verbringen. Dafür nehmen sie lieber ihre Kleinen an die Hand als den Bollerwagen. Das ist gut so!

Väterberatung: Das ist für viele Männer absolutes Neuland. Wer kommt in die Beratung, was liegt ihnen auf dem Herzen?
Mich erwartet ein buntes Spektrum. Da sind zum einen die Väter, die ganz frisch Papa geworden sind und sich mit vielen Fragen der Elternschaft auseinandersetzen: Was ändert sich mit der Geburt? Welche Anlaufstellen der Unterstützung gibt es? Welche Verantwortung habe ich? Wir geben Information und Hilfestellung zum Beispiel bei Fragen zu Vaterschaft, Elterngeld, aber auch zu Sorge- bzw. Umgangsrecht – übrigens nicht nur nach der Geburt, oft auch schon davor. Auf der anderen Seite spielt die psychosoziale Beratung eine wichtige Rolle. Bei mir melden sich viele Männer, die Sorgen und Nöte haben – z.B. in Bezug auf die Veränderungen in der Paarbeziehung, ihrer Rolle als Vater, als Liebhaber etc. Des Weiteren führen Trennungssituationen bei vielen Vätern zu großen Unsicherheiten und zu neuen Herausforderungen hinsichtlich der Vaterrolle. Uns geht es vor allem darum, den Männern und Vätern eine Perspektive zu geben und gemeinsam Lösungen zu finden.

Wie sieht das Hilfsangebot aktuell in Corona-Zeiten aus?
Wir sind auch jetzt gut zu erreichen. Ohne Probleme geht das natürlich telefonisch oder online. Wir führen aber auch Face-to-face-Be-ratungen durch – unter Einhaltung der Abstands- und Hygienevor-schriften versteht sich. Beratungen können aber auch so aussehen, dass wir zum Beispiel einen gemeinsamen Spaziergang vereinbaren. Wir reagieren sehr flexibel auf die Wünsche.

Was wünschen Sie sich in Zukunft für die Väter?
Ich wünsche mir, dass sich weiter etwas tut – dass noch mehr Männer die tradierten Rollenbilder über Bord schmeißen und Freude haben an ihrer Rolle als verantwortungsvoller Vater. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass Mama und Papa sich die Aufgaben und Herausforderungen als Eltern so gut es geht teilen – oder eben, dass Mama die Brötchen verdient. Wenn ich mir noch etwas wünschen darf, sind das moderne Arbeit- und Dienstgeber, die in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie kein Alibi sehen. Vielmehr sollten sie Raum und Möglichkeiten schaffen für flexible Beschäftigungsmodelle, die weitestgehend den familiären Bedürfnissen gerecht werden. -- 

Das Interview führte Marco Eschenbach.


Hinweis: Der Kölner Diözesan-Caritasverband hat die Väterbera-tung im Jahr 2001 mit einem Modellprojekt im Erzbistum Köln ins Leben gerufen. Seit dieser Zeit ist sie fester Bestandteil in vielen esperanza-Beratungsstellen.

Schwangerschaftsberatung esperanza

esperanza-Väterberatung

Der Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. ist der Dachverband der katholischen Wohlfahrtspflege im Erzbistum Köln. Ihm sind 280 Mitglieder als Träger von rund 1.850 Diensten und Einrichtungen im Rheinland und angrenzenden Kreisen angeschlossen. Das Spektrum reicht von Krankenhäusern über Altenheime bis zu Kindergärten und Beratungsstellen, wie etwa Schwangerschafts- oder Schuldnerberatung. Der Diözesan-Caritasverband berät seine Einrichtungen und Dienste in fachlichen sowie wirtschaftlichen Fragen und vertritt sie in Kirche, Gesellschaft und Politik.